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Waldohreulen in Dresden

Bedrohung durch Wegfall der Baumschutzordnung

Im innerstädtischen Bereich (ca. 140 km2) von Dresden werden seit Anfang der 2000er Jahre jährlich durch Dr. Klaus Fabian und seine Helfer bis zu 25 Bruten dieser durch ihre Federohren sehr markanten Eulenart auf 100 km2 gezählt. Wie in der Zeitschrift „Die Vogelwelt“ von ihm berichtet wird, sind Großstädte ansonsten eher ungeeignete Habitate für diese eigentlich auf Waldränder und Feldgehölze spezialisierte Eule. Vermutlich ist ein Großteil der Waldohreulen aus der nahrungsarmen, weil durch tierfeindliche, industrielle Landwirtschaft übernutzten Umgebung von Dresden in das (noch) durchgrünte Stadtgebiet umgezogen. In einzelnen Villenvierteln des Stadtgebietes wie z. B. Dresden-Plauen, Zschieren oder Tolkewitz brüten in guten Eulenjahren (das sind meistens auch gute Mäusejahre) sogar 2 bis 4 Paare/km2. Der größte Teil der Nester wurde hoch oben in den Wipfeln von Kiefern gefunden. Es gab aber auch Nester auf Linden, auf Weymouthskiefern, Lebensbäumen Thuja spec., in Blaufichten Picea sort. und auf einem Apfelbaum Malus sort. Viele Nester befanden sich direkt in der Nachbarschaft zu Wohnhäusern, was eine Einsicht vom Balkon problemlos ermöglichte.

Die relativ leisen Balzrufe und Stimmfühlungs- Rufe der Waldohreulen gehen im städtischen Lärmpegel nahezu völlig unter. Nicht zu überhören sind allerdings die lauten Bettelrufe der Ästlinge (so nennt man die großen Jungvögel, die kurz vor dem Flüggewerden auf den Ästen der Nestumgebung umherturnen), die bis fast 1 km weit die ganze Nacht hindurch zu vernehmen sind. Diese Rufe führten auch zur Entdeckung der innerstädtischen Vorkommen. Von den Anwohnern wird dieser „nächtliche Lärm“ oftmals als Kultur- bzw. Maschinengeräusch interpretiert bzw. nur als sehr aufdringlich und damit als nervig empfunden, aber bei einer Befragung von den Naturfreunden unter ihnen meistens exakt wiedererkannt. Als Hauptbeutetier erwies sich nach der Analyse der Gewölle – also der ausgewürgten Nahrungsreste – die Feldmaus Microtus arvalis. Die Wintersammel- und Schlafplätze der an kleine Uhus erinnernden Waldohreulen lagen nahezu alle in dichten, oftmals exotischen Koniferen, jeweils nahe einem Gebäude.

Nun bedroht die im Freistaat Sachsen im Zuge des „Bürokratie-Abbaus“ durchgesetzte Abschaffung der Baumschutz-Verordnungen den Fortbestand sowohl der Brutbäume als auch der Sammel- und Schlafbäume. Auf Privatgrundstücken können nämlich nun leider die für die Waldohreulen besonders geeigneten und nur scheinbar naturschutzfachlich weniger wertvollen Koniferen und Obstbäume in vielen Fällen ohne weiteres gefällt werden. Hier ist nun der private und kommunale Naturschutz mit der Überwachung aller Brut- und Schlafplätze besonders gefordert, wenn nicht überfordert. Dies geschieht bislang in Dresden in Zusammenarbeit mit der unteren Naturschutzbehörde Dresden auf ehrenamtlicher Basis im Einklang mit den geltenden artenschutzrechtlichen Bestimmungen (§ 44 BNatSchG) durch die Aufklärung der Grundstückseigentümer über den „Schatz der Natur“, den sie vor ihrer Haustür haben und bewahren sollten. Es ist zu wünschen, dass damit auch langfristig die Brutbäume und die Wintertageseinstände (oftmals in Blaufichten oder Thuja) der Waldohreule (und weiterer geschützter Vogelarten) vor einer Rodung bewahrt werden können.

Dr. Jan Schimkat, NABU-Naturschutzinstitut (NSI) Dresden


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